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Erdfälle in der Frommestraße

In der Frommestraße in Lüneburg hat es in den letzten hundert Jahren eine Reihe von Erdfällen gegeben. Zusätzlich hat sich hier seit 1931 ein neues Senkungszentrum entwickelt, mit Senkungsraten von bis zu 4 cm pro Jahr. Das liegt zum einen daran, daß in der Frommestraße Nr.2 die geologische Hauptverwerfung Lüneburgs auf den Salzstock trifft. Diese Störung sorgt für eine schnelle Ableitung von Grundwasser in die Tiefe. Maßgeblich ist jedoch auch der Gipsmantel um den Salzstock, der durch kleinflächige Verkarstungserscheinungen besonders erdfallgefährdet ist. Erdfälle können Senkungen in wenigen Metern Umkreis erzeugen. Bei den Erdfällen 1914 und 1931 in der Frommestraße 2 hat sich der Boden innerhalb kurzer Zeit um mehrere Dezimeter gesenkt, wie auf dem Bild unten eindrücklich zu sehen ist. Im Mai 1933 wurden dann die Frommestraße 2 und 3 abgebrochen.

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Das Foto aus einem Erdfall heraus ist 1955 an der Dörnbergstraße aufgenommen worden. (Foto Makovec)

Für Lüneburg sind über 50 Erdfälle bekannt geworden. Dazu können Sie sich Kartenmaterial zur Geologie Lüneburgs ansehen: kartenmaterial1.pdf (2206 kb)

Seit April 2012 ist die Website www.geologie-lueneburg.de online. Sie wird betrieben von Herrn Prof.Dr.Sirocko, vom Fachbereich Geologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Hier werden erstmalig Skripte vom ehemaligen „Stadtgeometer“ Fritz Bicher aus den Jahren 1920-1960 veröffentlicht.

Hier finden Sie den Link zu der Präsentation von Herrn Prof. Sirocko vom 03.03.07 im Salzmuseum: Salzmuseum_Vortrag_vom_3_3_2007

Das Lüneburger Geoportal bietet bisher leider noch keine Senkungsdaten an: http://www.lueneburg.de/desktopdefault.aspx/tabid-108/

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An dem Baugrund ist was faul.

Der Baugrund auf dem Gelände Frommestraße 1-3 und Bastionsstraße 1-2 befindet sich in Bewegung. An der tiefesten Stelle, vor dem „Tor zur Unterwelt“, betrug die Senkung in den letzten Jahre bis zu 4 cm pro Jahr. Es rieselt im Untergrund, oder wird vom Grundwasser  oder der Sole abgetragen die 40 m tiefer ineinander fließen. Der Lüneburger Untergrund hat es in sich, ebenso seine anthropogene Vergangenheit. Seit ca. 1000 Jahren wird in Lüneburg Salz, Gips und Kreide abgebaut. Wärend Gips und Kreide klassisch im Tagebau (am Kalkberg, Kreidebergsee und Kalkbruchsee) abgebaut wurden, mußte das Salz (unter der westlichen Altstadt) über das Abpumpen und Auskochen der Sole gewonnen werden. Dadurch wurde in jahrhunderte langer Pumparbeit das Senkungsgebiet in der Altstadt gesenkt. Jetzt pumpt nur noch das Spaßbad und  Saltzherme  SaLü. Und bei uns bewegt sich die Straße – immer noch.

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Was aussieht wie ein Schlachtplan, ist eine Übersicht über die wesentlichen geologischen Phänomene, die sich im Senkungszentrum Fromme/Bastionsstraße abspielen.

Die B.I. befürchtet, dass ein Neubau die Bewegungen im Senkungstrichter nicht aufhalten, sondern sogar verstärken könnte, so dass die Nachbarhäuser (aus der Gründerzeit) in wenigen Jahren auf den Neubau (aus Stahlbeton) rutschen und in der Folge beschädigt und unbewohnbar werden.

Wesentlich für das Verständnis sind drei Senkungsbewegungen:
1. Die Jahrhunderte alte, inzwischen beendete Senkung der westlichen Altstadt (südl. der Abbruchkante)
2.Die (neueren und übrig gebliebenen) Senkungszentren „Auf dem Meere“, „Ochtmisser Kirchsteig“, „Bögelstraße“ und „Frommestraße“ (Senkungstrichter)
3.Erdfälle, kleine unregelmäßige Einbrüche mit wenigen Metern Durchmesser (Kreuz im Kreis)

In der Frommestraße treffen mehrere geologische Phänomene aufeinander. Die aktuelle Bewegung ist die der 2.Art. Die gestrichelten Kreise geben den akut in Bewegung befindlichen Senkungstrichter an. Zusätzlich ist das Gelände in hohem Maße Erdfall gefährdet, was die Erdfälle in der Vergangenheit in der Verlängerung der Hauptverwerfung  bereits gezeigt haben.

Wer diese Karte und die geologischen Hintergründe besser verstehen möchte, dem sei das Buch „Lüneburg“ von Imme Ferger empfohlen. Darin findet man die geologische Geschichte Lüneburgs bis in die 1960er dokumentiert.


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